Groteske Bescherung eines Entkommenen (Wolfram Schütte, Titel Magazin, 23.02.2004)


Kapcsolódó könyv:
Glück - Suhrkamp, 2004

György Konrád: Glück

Romane / Fiction
geschrieben von Wolfram Schütte am 23.02.2004, 16:45 Uhr

Groteske Bescherung eines Entkommenen

György Konráds autobiographischer Roman Glück

Von allen erzählerischen Werken, die der ungarische Schriftsteller György Konrád im Laufe seines siebzigjährigen Lebens veröffentlicht hat, ist – möglicherweise – dieses letzte und jüngste, übrigens auch schlankste: das schönste. Für mich zumindest. Ein Buch der Erinnerungen von 156 Seiten, lakonisch wie sein deutscher Titel: „Glück“ (Der ungarische lautet „Abreise und Heimkehr“).
Ich glaube, dass der deutsche Titel treffender und triftig ist: „Glück“ gehabt zu haben, heißt ja bei uns sowohl, seiner teilhaftig geworden zu sein (es also erlebt zu haben), als auch, dem Unglück ohne eigenes Zutun entkommen zu sein. Wer als (ungarischer) Jude, wie György Konrád, heute Siebzig Jahre alt werden konnte, musste Glück gehaben haben, der „alteuropäischen“, speziell der deutschen Vernichtung mit Namen Eichmann, entgangen zu sein. Sein vier Jahre älterer Landsmann, der letztjährige Literaturnobelpreisträger Imre Kertész, hat als Fünfzehnjähriger, 1944 nach Auschwitz deportiert, das Vernichtungslager überlebt und hat davon in seinem „Roman eines Schicksalslosen“ (1975) auf verstörende Weise, nämlich durch die Augen eines erlebnishungrigen Jungen erzählt.
Es könnte sein, dass Konrád nun davon angeregt wurde, jetzt seinerseits tiefer in seine Autobiografie hinabzusteigen, als er es je zuvor in seinen früheren Romanen getan hat: in die Kindheit und Jugend, als Sohn eines reichen und angesehen Eisenwarenhändlers in einem Dorf mit einem unaussprechlichen Namen im östlichen Ungarn, dann – nach der Deportation der Eltern in ein österreichische KZ – mit der Schwester und zwei Vettern bei Verwandten in Budapest (bis die Rote Armee einmarschierte) und schließlich als Vater von Kindern, der seine gewesene, verlorene, enteignete, verwaiste, heruntergekommene Heimat besucht, die keine mehr ist.

Was ist das Schöne an Konráds “Glück“? Dass es noch „verw